Nach dem enttäuschenden Ausscheiden in Zürich versuchte ich, schnellst möglichst wieder den Fokus zu finden und mich auf die veränderte Situation einzustimmen, mit dem Ironman Hamburg nur wenige Tage später. Alles war wieder neu und bedurfte einer angepassten Planung: Der Wettkampf mit seiner Topografie, die Strecke mit den Besonderheiten (flach & windig), Konkurrenten, taktische Ausgangslage usw. Die ersten Tage fiel mir dies ehrlich gesagt nicht gerade einfach. Ich war einfach nur müde und kaputt und wollte am liebsten einfach mal etwas Abstand vom Triathlon gewinnen und mich mit anderem beschäftigen.

Einer der grössten Vorteile vom zunehmenden Alter ist die Erfahrung und so fand ich noch rechtzeitig die entscheidenden Puzzleteile, um wieder top motiviert und «leidensbereit» am Start zu stehen. Im Gegensatz zu den kürzeren Distanzen mag es bei der Langdistanz nämlich keine halben Sachen dulden. Zu stark sind die Schmerzen, die einen über die Wettkampfdauer wiederfahren und so fast alles hinterfragen und anzweifeln lassen. Wie viele Male schon habe ich mich gefragt, weshalb ich mich nicht für einen lockeren Sport entschieden habe… 😉
Die Kulisse für Triathlon in Hamburg ist wirklich einmalig, vor allem mit den so zahlreichen und begeisterungsfähigen Zuschauern. Dies durfte ich bereits einige Male zu meinen Zeiten in der Kurzdistanz erleben. Trotzdem war ich überrascht, dass schon frühmorgens Tausende von Zuschauern die Schwimmstrecke in der Binnenalter säumten.

Der Schwimmauftakt gelang mir wiederum optimal und ich konnte mich in der 5 er Spitzengruppe halten. Auch auf dem Rad ging es rasch zur Sache und der ganze Wettkampf wurde sehr offensiv angegangen. Das Tempo war eher im Halbdistanzbereich anzusiedeln, was über die Langdistanz irgendwann zwangsläufig seinen Tribut fordern wird… (was es mit knapp 50% Ausfallquote bei den Pro Männern letztlich auch tat) Ich war aber entschlossen, dran zu bleiben und das Rennen vorne mitzuprägen. Der starke Wind, meist von der Seite her kommend, war sehr kräftezerrend und sorgte für eine grosse Selektion auf dem Rad. Dafür bekamen wir die Hitze mit Temperaturen über 30 Grad erst beim Laufen so richtig zu spüren. Auf dem zweiten Rang liegend konnte ich meinen Rückstand auf den Führenden (und späteren Sieger) kontinuierlich bis auf etwas über eine Minute verkleinern, als ich ungefähr bei Halbmarathondistanz selber die ersten Krisen schob überholt wurde. Zu dieser Zeit fragte ich mich ernsthaft, wie ich es denn noch bis ins Ziel schaffen würde. Der Kopf glühte, die Energie schien komplett weg und die Gedanken wurden plötzlich etwas wirr… Tempo rausnehmen, nasse Schwämme, gut Verpflegen, viel Eis in den Race Dress und vor allem natürlich der moralische Support von Familie und Freunden an der Strecke halfen mir, diese härtesten Minuten zu überstehen. Und plötzlich wurde wieder Licht am Ende des Tunnels. Die letzten paar Kilometer übersteht man immer noch irgendwie, vor allem bei dieser tollen Unterstützung vom Publikum, und so konnte ich den letzten Kilometer mit Zieleinlauf auf dem roten Teppich noch richtig geniessen.

Mit dem zweiten Rang und meiner Wettkampfleistung bin ich sehr zufrieden, insbesondere auch in Anbetracht der ganzen Vorgeschichte. Gerade in solchen Situationen zeigt sich einmal mehr, wie wichtig das richtige Team und Umfeld ist, das einen unterstützt und den nötigen Halt gibt. Angefangen von den vielen moralische Aufmunterungen zu Hause, von Familie und Freunden, die sogar mit nach Hamburg reisen, um mich tatkräftig zu unterstützen, vom Coach, der kühlen Kopf bewahrt bei der rollenden Planung und den Sonntag vor dem Bildschirm verbringt, um taktische Anweisungen vor Ort zu senden, bis hin zu meiner Frau, die mich auch in den etwas schwierigen Momenten nicht nur erträgt, sondern auch immer wieder aufzubauen weiss, obwohl ich versprach, dass wir zu jenem Zeitpunkt schon längst im Urlaub sein sollten…

All diesen Leuten bin ich sehr dankbar und freue mich umso mehr, den Erfolg mit ihnen zu teilen und auf diese Art etwas zurückgeben zu können. Diese Momente und Emotionen sind es denn auch, die in Erinnerung bleiben, während die Wettkampfresultate, sogar für mich als Profi, nach kurzer Zeit nicht eine allzu grosse Rolle mehr spielen… Diese muss ich selber meisten von der vergangenen Jahren in den Resultaten nachschauen.
Einziger Wehrmutstropfen vom Wochenende ist der fehlende Slot für Hawaii. Davon gab es in Hamburg nur einen, welcher an den Sieger ging. Das neue System für die Slotvergabe in Abhängigkeit von Ort und Konkurrenz ist eine Geschichte für sich, welche jeden auf Objektivität (bzw. in unserem Fall Leistung) bedachten Kenner von Statistik- bzw. Wahrscheinlichkeitsrechnung die Haare zu Berge stehen lässt.
Nun geht es in den verdienten Urlaub, bevor ich mich näher mit der konkreten Planung der zweiten Saisonhälfte auseinandersetze.