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  • Hawaii 2018

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Ironman Hawaii 2018 – Eine Wettkampfanalyse der etwas anderen Art

Nach dem Wettkampf und den überstandenen Strapazen war ich einerseits zufrieden, andererseits aber auch etwas enttäuscht von meinem Abschneiden. Mit einigen Tagen Abstand fällt es mich nun einfacher, die Leistung und die gegensätzlichen Empfindungen entsprechend einzuordnen...

Grundsätzlich zeigte ich eine gute bis sogar sehr gute Leistung und darf damit zufrieden sein. Für mich war gefühlsmässig meine Performance zudem einiges besser, als die Rangierungen mit dem 14. Rang widerspiegelt (auch wenn diese natürlich keinesfalls schlecht ist…)  Im Vergleich zu den letzten beiden Jahren konnte ich mich weiter verbessern und ich habe Gefühl, das Rennen (im Gegensatz zu den ersten beiden Anläufen) nun langsam in den Griff zu bekommen. Nicht vieles hätte ich besser machen können - Verpflegungsmässig und renntaktisch ging alles optimal und wie erhofft auf. Auch die berüchtigten mentalen Herausforderungen, die meist beim Laufpart und mit zunehmender Wettkampfdauer im Ironman vermehrt auftreten (erschöpf, alleine auf sich gestellt, draussen in der heissen Wüste, auf dem Asphalt dahinschmelzend, weit weg Zuschauern und doch noch meilenweit vom Ziel entfernt … ) konnte ich sehr gut annehmen und bewältigen. Ich würde sogar sagen, dass ich in keinem meiner bisher bestrittenen Ironmen damit so gut klar kam wie nun auf Hawaii. Somit war ich nicht nur körperlich, sondern auch mental optimal vorbereitet und hatte auf diesem Blickwinkel ein sehr gutes Rennen, was auch die Endzeit von 8.15h zeigt. Diese ist natürlich auch beeinflusst von den optimalen Windbedingungen, die wir beim Radfahren hatten und zeigt auch, wie hoch die Leistungsdichte ist. 

Obwohl damit auf dem herausfordernden Kurs auf Hawaii noch nie ein Schweizer schneller unterwegs war, kann ich auf der anderen Seite eine gewisse Enttäuschung trotzdem nicht ganz verbergen. Generell fühlte ich mich in super Form, war top vorbereitet, und auch der Wettkampf verlief ganz nach meinem Wunsch. Trotz bewusst dosiertem Effort in den beiden Auftaktdisziplinen befand ich mich beim Wechsel aufs Laufen in idealer Ausgangslage. Mental und körperlich war ich vergleichsweise immer noch sehr frisch und umso mehr überzeugt, in meiner stärksten Disziplin den Sprung sehr weit nach vorne zu schaffen… Da ich um das Handicap meines hohen Flüssigkeitsverlustes weiss, wollte ich auch bewusst eine intelligente Tempo- und Renngestaltung machen. Dazu gehört etwa, mich im ersten Teil des abschliessenden Marathons zurückzuhalten. Bewusst marschierte ich immer wieder einige Schritte (bspw. Anstieg Palani Road) und nahm ein paar Sekunden Verzögerung in Kauf, um mich dafür mit Eis, Schwämmen etc. runterkühlen zu können (je weniger die Körperkerntemperatur ansteigt, desto weniger Flüssigkeitsverlust bzw. Schweiss…) und gut zu verpflegen. Auch im Vorfeld des Wettkampfes und während des ganzen Jahres habe ich fast nichts unerprobt gelassen, was mir für einen geringeren Flüssigkeitsverlust helfen kann. Von spezifischen Ernährungsmassnahmen (Stichwort Energiedichte pro benötigte Flüssigkeitseinheit), Körperkühlmechanismen bis zu Spezialkleidung meines Sponsors (mit hochwertigsten Textilien und spezifischen Eisfächern) habe ich mir überall Gedanken gemacht und weiter optimiert.

Trotzdem blieb auch in diesem Jahr wieder die starke Dehydration mein Hauptkonkurrent (weil eben glz. die Aufnahme von Flüssigkeit in die Körperzelle physiologisch limitiert ist, ca. 1.2 l/h bei mir). 7kg oder gut 9% meines Körpergewichtes war ich im Ziel leichter, obwohl ich, trinkend wie ein Kamel, unterwegs mehrerer Male einen Pinkelstopp einlegen musste. Bei 5%, so im Allgemeinen, werde es langsam kritisch und damit körperlich auch stark leistungslimitierend. Diese Einschränkung versuchte ich mit einem starken Willen zu kompensieren…. Mit der Folge, dass die härteste Stunde des Tages denn auch erst nach dem Wettkampf anstand, wo ich glücklicherweise auf die professionelle Hilfe eines Medizinerteams zählen durfte.  

Diese Gegebenheiten sind es denn auch, die mich momentan noch etwas ratlos lassen. Als professioneller Sportler bin ich es mir gewohnt, dass ich selber Einfluss nehmen und Verantwortung übernehmen muss, wenn ich meine Ziele bestmöglich erreichen und Erfolg haben möchte. In diesem Sinne auch die damit einhergehende Einstellung, dass das Resultat eine direkte Folge davon ist…

Meine erwähnte Enttäuschung bezieht sich denn somit auch gar nicht auf meine Leistung, mit welcher ich wie gesagt sehr zufrieden bin, sondern ergibt sich vielmehr aufgrund meines Gefühls, dass ich mein eigentliches Potential gar nicht abrufen konnte, welches mir körperlich und mental an diesem Tag zur Verfügung stand.

Die kommenden Monate und die anstehende Saisonpause bieten ausreichend Zeit, Gedanken zu machen und (hoffentlich) neue Lösungsansätze zu finden. Manchmal sind diese an Orten zu finden, wo man sie nicht primär vermutet, erkennbar erst mit etwas Abstand. Es bleibt also spannend und herausfordernd, auch nach vielen Jahren im Triathlon – Business ????

Vielen Dank an dieser Stelle nochmals für eure zahlreichen Mitteilungen, Rückmeldung etc. im Zusammenhang mit dem Race. Es ist schön, den Weg und die anstehenden Herausforderungen mit Leuten teilen zu können und vielleicht in einem oder anderen Teil eine kleine Inspiration für die wichtigen Bereiche im Leben geben zu können…

Pictures: Michael Rauschendorfer (use for internal purposes only – otherwise get in contact …)